Papst Franziskus im Clinch

Es wird immer deutlicher, dass in der Kurie Papst Franziskus auch auf Ablehnung stösst, die zuweilen in scharfen Worten formuliert wird. Diese Auseinandersetzung wirkt sich möglicherweise auch auf die Bischofssynode aus. Mit Recht sind viele gespannt darauf, was im Schlussdokument zu lesen sein wird.

Papst Franziskus im Clinch

Thomas Seiterich, Puforedaktor hat Recht. Beobachtet man die Verlautbarungen aus Rom, journalistische Beiträge und theologische Artikel, die in den letzten Monaten erschienen sind, fassen seine Worte gut zusammen, was sich zeigt: «Papst Franziskus hat Feinde. Und immer mehr Gegner. Sie sind von höchst unterschiedlicher Art, manche brutal, böse, ironisch oder zynisch; andere argumentieren intellektuell und differenziert. Hochgelehrte Altkardinäle in Rom wie der deutsche Kirchenhistoriker Walter Brandmüller spötteln, Franziskus betreibe eine populistische 'Copacabana-Theologie' und sei im Gegensatz zu seinem Vorgänger Benedikt naiv: ein theologisches Leichtgewicht. Rechte oder gewendete, früher linke Intellektuelle wie der 'theokonservative' Mailänder Vordenker Giuliano Ferrara werfen dem Argentinier politische Dummheit vor. Viele Bischöfe, Bischofskonferenzen, religiöse Bewegungen und Orden hüllen ihre Obstruktion in ein anhaltendes, distanziertes Schweigen.»
Es wird immer deutlicher, dass der Ausgang der Bischofssynode anzeigen wird, ober der Papst lehrmässig beweglich ist; ob er bereit ist, Homosexualität anders zu bewerten, geschiedene Wiederverheirate genau so ernst zu nehmen wie alle Gläubigen in ihren unterschiedlichen Lebenszusammenhängen. Gelingt es Ehe, Partnerschaft und Familie auch unter humanwissenschaftlichen Fragen und in ihrer gelebten, nicht isolierten Lebenssituation in den Blick zu nehmen?
 In der Süddeutschen Zeitung vom 10.März 2015 erschien ein aufschlussreicher Artikel . Er beginnt mit dem Hinweis auf die wöchentlichen Mittwochsaudienzen auf dem Petersplatz, an der nun schon seit zwei Jahren jedes Mal um die 30 000 Menschen den Papst erleben wollen. Er steigt aus dem Papa Mobil, geht auf die Menschen zu. Ergreifende Szenen spielen sich ab. Er traf auf eine Kurie, die selbstherrlich und unprofessionell regierte. Der Vetrauensverlust konnte kaum grösser sein. Selbst hochrangige Kardinäle   klagten über die Kurie. Papst Franziskus hat sofort reagiert. Er setzte eine Kardinalskommission unter der Leitung des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx ein, die Reformvorschläge erarbeiten sollte. Er hat die Neuordnung  der vatikanischen Finanzen in die Wege geleitet. Er wohnt nicht im apostolischen Palast, sondern im Marta Stift. Seine erste Reise führt in nach Lampedusa, wo er der Flüchtlinge gedenkt und den europäischen Regierungen deutlich ins Gewissen redet. Die Spannungen zwischen Papst und Kurie verschärfen sich.

Die Kardinalskommision unter Reinhard Kardinal Marx, legt einen ersten Vorschlag einer Kurienreform vor. Ein Sturm der Entrüstung kommt auf. Der Präsident der Glaubenskongegration moniert, die Kurie sei keine profane Verwaltungsstruktur. Franziskus reagiert darauf:  „Eine Kurie, die keine Selbstkritik übt, sich nicht fortbildet, die nicht versucht, sich zu bessern, ist ein kranker Leib…..Sie beruht oft auf der Pathologie der Macht. Auf dem Komplex der Erwählten auf dem Narzissmus, der leidenschaftlich auf sein eigenes Bild schaut und nicht das Bild Gottes sieht, das dem Angesicht der anderen, besonders der Schwächsten und der am meisten Bedürftigen, eingeprägt ist“. In der am 22.Dezember 2014 vor der Kurie gehaltenen Rede  nennt der Papst die fünfzehn Sünden der Kurie. Die Reformgruppe schlägt eine Verkleinerung der Kurie vor. Das Ministerium für Laien und Familien und das Ministerium für Caritas und Gerechtigkeit sollen „Superministerien“ werden. Das Kardinalsstaatssekretariat soll Macht abgeben. Die Ministerien sollen zusammenarbeiten. Der Leiter eines Ministeriums muss kein Bischof mehr sein. Laien, insbesondere auch Frauen können in diese Dienste berufen werden. Die Kurie bleibt aber ein Bollwerk gegen jede Reform, ein System von unglaublicher Beharrungs- und Abschottungskraft. Die Kurie ist ein Geflecht von Seilschaften, manchmal gar von Abhängigkeiten, weil der eine von der verbotenen Liebe des andern weiss. Ein tiefer Graben spaltet die Kirche. Auf der einen Seite der Respekt vor dem Auftreten des Papstes und seinen Symbolhandlungen. Auf der anderen Seite die unerbittliche Kritik, die ihm aus dem Innern der Kirche entgegenschlägt.

Auf diesem Hintergrund erhält die Bischofssynode im Herbst grosses Gewicht. Sie wird zeigen, wie die Kräfte in der Kurie verteilt sind. Die Themen der Zulassung wiederverheirateter  Geschiedenen zu den Sakramenten, die Deutung der Homosexualität werden zu Marksteinen auf der Grenze, die Reformer und Konservative voneinander scheidet. Dabei darf nicht vergessen werden, dass der Papst im ersten Teil der Bischofssynode geschwiegen hat. Es bleibt noch offen, ob er doch eher ein konservativ denkender Papst sein wird.

Eines ist auf alle Fälle klar. Werden die Anliegen der Laien nicht aufgenommen, dann wird es nach der „Pillenenzyklika“ Paul VI zu einem zweiten credibility gap der römisch-katholischen Kirche kommen.

 


Zurück