Im Zeitbogen leben

ISBN  3-7228-0475-2
Tugenden für das 3. Jahrtausend
Online erhältlich: www.lehmans.de oder bei www.amazon.de

Ach der Tugend schöne Werke, / Gerne möcht‘ ich sie erwischen, / Doch ich merke, doch ich merke, / Immer kommt mir was dazwischen.“ So hat Wilhelm Busch einmal gereimt. Tugend ein fragwürdiger Begriff. Wer das Wort hört, denkt an frühere Zeiten und rümpft die Nase. Tugendhaft ist die fromme Jungfer, die ihren Blick gegen den Himmel hebt und nach dem Gottesdienst über ihre Nächsten herzieht. Warum bloss heute noch von Tugenden reden?

So fragwürdig der Begriff tatsächlich geworden ist, so wichtig ist die Sache, die damit gemeint ist. So fragwürdig einzelne Tugendkataloge auch sein mögen, so wichtig bleibt es, der Frage nachzugehen, aus welchen Grundhaltungen heraus wir unser Leben bestehen und gestalten sollen und wollen.

Es leuchtet ein, dass wir unser Tun regeln müssen. Eine verlässliche Persönlichkeit zeichnet sich dadurch aus, dass man weiss, woran man bei ihr ist. Man kann sich auf sie verlassen. Sie redet nicht einmal so und einmal anders. Ihr Tun ist in diesem Sinne berechenbar. Es leuchtet auch ein, dass wir mit unseren Gefühlen, unseren Leidenschaften, zurechtkommen müssen. Der Erfinder der Psycho¬analyse, Sigmund Freud, hat zu recht darauf hingewiesen, dass wo Es ist - das Unterbewusste, das Triebhafte - Ich werden müsse. Menschwerdung ist auch Gestaltung der eigenen Gefühle und der eigenen Triebe. Das bedeutet nicht, die eigenen Leidenschaften zu vergewaltigen oder gar zu verdrängen. Wesentlich geht es aber darum, diese zu gestalten, sie gleichsam in die eigenen Hände zu nehmen, damit sie einem nicht ständig das Bein stellen. Die Fähigkeit, für sein eigenes Tun Verantwortung zu übernehmen und es an Grundwerten, zu denen man sich bekennt, auszurichten, und die Bereitschaft, sich mit seiner eigenen Emotionalität auseinanderzusetzen, sind Grundlage dafür, meinen eigenen Tugendkatalog zu finden. Wer sich bewusst mit seinem Tun auseinandersetzt und nach den Grundwerten fragt, an denen er seine konkreten Taten ausrichten will. Wer sich um die Bildung der eigenen Persönlichkeit kümmert - an sich arbeitet, wie man landläufig sagt - der bildet seine Tugenden heran. Er entwickelt Grundhaltungen, aus denen er in konkreten Situationen spontan reagieren kann. Tugenden sind so im Innern des Menschen aufgebaute Dispositionen, die ihn zu verantwortlichem Tun und Lassen befähigen. Die einzelnen Situation, in denen wir Menschen handeln müssen, sind manchmal so schwierig zu beurteilen, dass wir nur mit grösster Anstrengung zu einem ethischen Urteil kommen können. Manchmal ist der einzelne in dieser Urteilsfindung sogar überfordert, oft lässt sich nicht einfach ein tragfähiger Konsens finden. Und dennoch müssen wir im Alltag handeln und uns entscheiden, können eine langwierige Urteilsfindung gar nicht abwarten. Der Volksmund verweist uns dann an den gesunden Menschenverstand. Er soll uns in unserem Urteil leiten. Manchmal sind von uns Entscheidungen verlangt, die wir nicht in aller Sorgfalt vorbereiten können, etwa weil die Zeit fehlt, sich lange hin und her Gedanken machen zu können. Oft müssen wir im Augenblick handeln und reagieren. In solchen Situationen müssen wir aus dem heraus, was wir sind reagieren, wir können nicht lange abwägen, sondern reagieren aus unserer Personmitte heraus. Da kommt es nun darauf an, ob wir aus einer eigenen Personmitte leben, ob wir diese gepflegt und ausgestaltet haben oder ob der Schwerpunkt unseres Lebens an der Oberfläche liegt und wir gar nicht über eine gefestigte, verlässliches Selbst verfügen. Wer ein ganzheitliches eigenes Lebenskonzept lebt, der wird sich in diesen Herausforderungen auf sich selber verlassen können, weil er an sich selbst gearbeitet hat. Genau hier spielen die Tugenden eine bedeutsame Rolle. Sie geben Sicherheit auf dem unwegsamen Gelände der Urteilsfindung, wenn ich Schritte tun muss und die Geländeerkundung nicht abwarten kann. Augustinus hat das in einer kühnen Weise formuliert:: „Liebe und tue, was du willst“. Wer aus der Liebe handelt, handelt angemessen, meint er damit. Die Liebe ist ein tragfähiger Orientierungspunkt.

 1.Die theologischen Tugenden

1.1.Glauben

1.2.Hoffnung

1.3.Liebe

 

2.            Die ethischen Tugenden

 

2.1.  Geburtlichkeit und Abschiedlichkeit

2.2.  Gewaltverweigerung

2.3.  Demut

2.4.  Streitbare Toleranz

2.5.  Verzichten können

2.6.   Sinnenfreudigkeit

2.7.  Argumentationsfähigkeit

2.8.   Dankbarkeit

 2.9.  Gelassenheit

 2.10. Solidarität

 2.11. Erschrecken können

 2.12. Beheimatet sein

 2.13. Entschiedenheit

 2.14. Beharrlichkeit

 2.15. Männlichkeit

 2.16. Aufmerksamkeit

 2.17. Nachhaltigkeit


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